Thema: Krankheiten - Buchstabe P

 

 

Paralyse, siehe Lähmung

 

Parasiten, siehe auch Demodex, Grabmilben, Haarlinge, Pelzmilben, Ohrmilben

Ektoparasiten …

….die bisher auf Meerschweinchen gesehen worden sind

Wissenschaftlicher Name

Andere Bezeichnung / Wirt

Sitz / Anmerkungen

MILBEN

Chirodiscoides cavie

Artspezifische Pelzmilbe der Meerschweinchen

An den Haaren. Rücken hinten, Oberschenkel außen / Gerade noch als kleine Pünktchen sichtbar

Trixacarus caviae

Artspezifische Räudemilbe oder Grabmilbe der Meerschweinchen

In den oberen Hautschichten, Kopf, Schultern, Rücken, Poregion / nur mikroskopisch zu sehen

Demodex caviae

Artspezifische Haarbalgmilbe der Meerschweinchen

leben in den Haarbälgen / nur mikroskopisch zu sehen

Sarcoptes scabiae var.cuniculi

Räudemilbe, Kaninchen

Von Kaninchen übertragen nur mikroskopisch zu sehen,

Mycoptes musculinus

Pelzmilbe der Mäuse

 

Notoedres sp.

Ohrräudemilbe 

Kopf, Hals, Lippen, Nase, Vorderbeine

Notoedres muris

Ohrräudemilbe, Ratte

Selten

Psoroptes cuniculi

Ohrräudemilbe , Kaninchen

 

Cheyletiella parasitivorax (G.Hämmerling)

Raubmilbe, Kaninchen

Oberfläche, Hals, Kopf, Schultern, Rücken, Beine

Trombiculidae

(Herbstgrasmilben)

 

Dermanyssus

Vogelmilbe

optisch sichtbar

Liponyssus bacoti

Rattenmilbe, Maus

blutsaugend

Ornithonyssus bacoti

Tropische Rattenmilbe, Raubmilbe

blutsaugend

HAARLINGE

Gliricola porcelli

Beißlaus, Meerschweinchen

Achselhöhle, Innenfläche Vorderbeine

Gyropusovalis

Laus, Meerschweinchen

Ohrbasis, Hals, Kopf, Rücken

Trimenopon hispidum

Laus

Wangen, Hals, Nacken, Rücken

Trimenopon jennigsi  (Dr.G. Schmidt)

 

Kopf

FLÖHE

Pulex irritans (Dr.G. Schmidt)

Menschenfloh

 

Nosopsyllus fasciatus (Dr.G. Schmidt)

Rattenfloh

 

Ctenocephalus felis (Dr.G. Schmidt)

Katzenfloh

 

 

 

 

ZECKEN

Schildzecke

relativ wirtsunspezifische Arten

Bohren ihre Mundwerkzeuge in die Haut + saugen

Haarlinge oder Pelzmilben (erstere gut, zweitere gerade noch mit dem Auge sichtbar) haben sich die MS schnell mal von draußen oder mit den Heu eingefangen. Diese sind in geringer Anzahl noch nicht gefährlich für das MS. Sie leben im Fell, sitzen auf den Haaren und ernähren sich von Haar und Schuppen.

Stärkerer Befall verursacht Juckreiz und Unruhe, sowie das Abbrechen der Haare.

Behandelt wird mit einem Antiparasitenpuder durch 1 x wöchentliches einpudern über mindestens 3 Wochen.      Alternativ gibt es auch Badezusätze vorn Tierarzt, wobei sich nach dessen Anweisungen gerichtet werden muss.

Ein Grabmilben - Befall bleibt lange unentdeckt, da diese Milbenart mit dem Auge nicht zu sehen ist, diese sich Gänge unter der Haut bohren und sichtbare Symptome erst bei bereits fortgeschrittener Ausbreitung bemerkt werden.

Grabmilben verursachen heftigsten Juckreiz, Unruhe bis zur Abmagerung, Rötung, Entzündung, Verdickung der Haut mit Schüppchenbildung, Haarausfall, Berührungsempfindlichkeit der Haut an befallenen Stellen, blutige Kratzwunden.

Der Befall beginnt meist im Ohren-, Hals-, Nacken-, Schulterbereich und breitet sich von dort auf andere Regionen aus.

Bei dieser Milbenart reichen Puder- oder Badezusätze zur Behandlung meist nicht aus!                      Am erfolgreichsten ist hier eine 3 malige Ivomec- Impfung im Abstand von 7 Tagen, durch den Tierarzt.

Bei jeglicher Art von Parasitenbefall, muss neben der Behandlung des Tieres auch die Umgebung und das Käfiginventar mitbehandelt werden, um Rückfälle zu vermeiden!  Hierzu können obig erwähnte Badezusätze oder z.B. Bactazol- Spray (Apotheke bestellen) benutzt werden!

 

Pelzmilben

Die Meerschweinchen spezifische Pelzmilbenart nennt sich Chirodiscoides caviae.

Diese Milben haben -ähnlich manchen Haarlingsarten- eine längliche Form, sind aber von ihrer Größe her um einiges kleiner.

Pelzmilben machen 3 Entwicklungsstadien durch. Ihre Larven haben genau so wie die Haarlinge nur 3 Beinpaare, die Nymphen als auch die adulten Milben besitzen jedoch dann die “milbentypischen” 4 Beinpaare.

Pelzmilben haben ihren Sitz außen an den Haaren, am ehesten kann man sie an den Haaren des Hinterteils der Meerschweinchen entdecken. Optisch gesehen könnte man diese Milben fast mit kleinen Schmutz- oder Staubpartikelchen im Fell verwechseln, weshalb sie auch oft von vielen Tierhaltern garnicht erst als Parasiten erkannt werden. Sie kommen bei Meerschweinchen recht häufig vor und machen bei geringem Befall kaum Symptome. Erst wenn sie Überhand nehmen, fällt bei den Meerschweinchen Unruhe und vermehrter Juckreiz auf. Im Extremfall könnte ein Befall auch zu Hautentzündungen führen.

Behandlung:

Mit handelsüblichen Antiparasitenpudern (Zoogeschäfte, Tierarzt, Apotheke) oder Sprays sind diese Plagegeister recht gut zu bekämpfen. Medizinische Badelösungen gibt es auch, ist aber m.E. nicht unbedingt erforderlich. Mindestens 3 Behandlungen in 1 wöchigen Abständen sollten durchgeführt werden, um auch die Nachbrut sicher zu erwischen. Zum Schutz vor Rückfällen sollte auch auch die Umgebung der Tiere (Käfig, Häuser) mitbehandelt werden, z.B. durch einsprühen mit Bactazol- Spray (Apotheke bestellen).

 

Perinealdrüse

Diese Drüsen liegen bei Meerschweinchen verborgen in einer kleinen Tasche (Perinealtasche) zwischen After und Damm. Diese Drüse sondert in diese Tasche ein Sekret ab, welches als Duftstoff zur Reviermarkierung dient. Man kann beobachten, das die Meerschweinchen dazu gelegentlich ihren Po auf dem Boden entlang streifen.

Bei Böcken ist die Perinealtasche deutlich größer ausgebildet als bei Weibchen. Das Drüsensekret ist erkennbar als eine weiße, zähe und übelriechende Masse (Smegma). Gelegentlich kommt es vor, das sich die Perinealtasche besonders bei älteren Böcken mit ganzen Kotballen zustopft, was meist in ein chronisches Leiden ausartet und für diese Böcke auch unangenehm ist.

Bislang ist mir noch keine bessere Lösung bekannt geworden als die Tasche in solchen Fällen täglich manuell mit Hilfe eines Wattestäbchens und etwas Öl vorsichtig auszuräumen, um eine mögliche Entzündung zu verhindern.

 

Pest, siehe Meerschweinchenseuche

 

Pilzerkrankungen, siehe Mykosen

 

Pneumonie, siehe Lungenentzündung

 

Polydaktylie

heißt übersetzt Vielzehigkeit. Die Vorderfüße haben normalerweise 4 Zehen, die Hinterfüße haben 3 Zehen mit 2 verkümmerten Anlagen von weiteren Zehen, die bei genetischen Abweichungen eine 4. Hinterzehe oder mehr ausbilden können. Es sind schon bis 12 Zehen pro Hinterfuß gesehen worden. Nicht immer sind die überzähligen Zehen funktionsfähig, häufig baumeln sie nur an dünnen Hautfädchen, weil das Zehengelenk fehlt, wodurch natürlich die Gefahr besteht, das die Tiere schnell irgendwo mit diesem Zeh hängen bleiben könnten. Daher ist es ratsam, die Überzähligen Zehen amputieren zu lassen. Überzählige + voll funktionsfähige Zehen stellen keinerlei Behinderungen für die Tiere dar. Die Polydaktylie ist erblich!

Fotos dazu befinden sich auf folgender Homepage: http://www.meerschweinchenfreunde.at/c.htm

 

Protozoen

Protozoen sind einzellige Urtierchen, die frei oder parasitisch im Körperinneren ihres Wirts leben. Manche von ihnen leben in ihrem Wirt nur „kommensal“ bzw. schaden ihrem Wirt durch ihre Anwesenheit normal nicht, während andere, insbesondere bei Massenvermehrung aufgrund schlechter Haltungs- u./o. Fütterungsbedingungen, diverse Krankheiten verursachen können.

Es gibt zahlreiche verschiedene Protozoen, die sich u. a. in ihren Fortbewegungsorganellen (Wimpern, Geißeln usw.) unterscheiden. Sie pflanzen sich teilweise durch geschlechtliche Vermehrung und teils durch ungeschlechtliche Vermehrung (Teilung) fort. Manchmal ist ihr Entwicklungszyklus / Generationswechsel mit einem Wirtswechsel verbunden, wobei die ungeschlechtliche Vermehrung in einem Zwischenwirt und die geschlechtliche Vermehrung im Endwirt geschieht. Am häufigsten kommen Protozoen in wärmeren Klimazonen (Tropen) vor.

Protozoen werden durch die orale Aufnahme (aus der Umwelt oder durch die Ausscheidungen infizierter Tiere, manche auch durch die Muttermilch oder diaplazentar) ihrer Dauerformen (Zysten) übertragen. Diese Zysten können durch Abkapselung mehr oder weniger lange außerhalb ihres Wirtes überleben und werden erst in Verbindung mit Feuchtigkeit infektiös (Nasses Heu, Gras, feuchte Einstreu usw.).

Man unterscheidet die Protozoen in 4 Klassen:

1. Mastigophora = Geißeltierchen (Flagellata)                                                  2 Ordnungen: ein- und mehrgeißelige Flagellaten (z.B. Trichomonas)

2. Rhizopoda = Wurzelfüßer                                             Ordnung: Amöben  (Wechseltierchen), von denen es verschiedene gibt, teils frei im Wasser lebende, teils parasitär lebende. Versch. Gattungen, z.B. Entamoeba

3. Sporozoa = Sporentierchen                                            Versch. Gattungen, z.B. Toxoplasma, Cryptosporidium, Eimeria. Unter die Sporentierchen fallen auch die Kokzidien.

4. Ciliata = Wimperntierchen                                             Gattung, z.B. Balantidium

 

Pseudotuberkulose

Die Pseudotuberkulose der Nager wird auch Rodentiose oder Nagertuberkulose genannt und ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Mit der Tuberkulose hat sie nichts zutun, außer das sich die Symptome ähneln können.

Die Pseudotuberkulose zählt zu den Zoonosen, d.h. der Erreger ist auch für andere Tiere und den Menschen infektiös!

Besonders häufig erkranken Nagetiere aber auch andere kleine Säugetiere, Vögel usw..

Erreger                                                                                                Yersinia pseudotuberculosis (Synonyme: Pasteurella pseudotuberculosis, Corynebacterium rodentium, Bacillus pseudotuberculosis)

Übertragung:                                                                          Der Erreger kann im Wasser, im Erdboden, in Lebensmitteln und anderen organischen Materialien monatelang überleben.

Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (auch durch Wildtiere, Vogelkot) oder durch orale Aufnahme von kontaminiertem Wasser, Futter, Ausscheidungen usw.

Die Ausbreitung der Infektion innerhalb eines Tierbestandes kann recht langsam und schleichend, u. U. über Monate hinweg, erfolgen.

Symptome:                                                       Bei der chronischen Verlaufsform bleibt die Ansteckung aufgrund eines anfänglich ungestörten Allgemeinbefindens lange Zeit unbemerkt, selbst wenn es zu diesem Zeitpunkt bereits zu deutlichen Lymphknotenvergrößerungen im Bauchraum gekommen ist.

Im weiteren Verlauf stellen sich Appetitlosigkeit, Fellsträuben, kauern, Durchfall, Lähmungserscheinungen, Schwäche und später massive Abmagerung ein. Auch Lymphknotenentzündungen mit Abszessbildungen oder plötzliche Todesfälle kommen vor. Neben Lymphknotenvergrößerungen (u. U. teils sogar bis Mandarinengröße) bilden sich an sämtlichen Organen (Milz, Leber, Niere, Lunge, Darm, Bauchspeicheldrüse u.a.) besonders im Darm kleine Knötchen die zunehmend größer werden (bis Haselnussgröße). Diese Knoten (Herde) sind mit einer rahmig eitrigen Masse gefüllt.

Bei der akuten Verlaufsform können sich Atemwegssymptome wie husten oder Atemnot zeigen und sie führt durch eintretende Septikämie zum raschen Tod innerhalb von ca. 2 Tagen.

Symptome beim Mensch:                                                                                                                               Grippale Symptome, Hals- und Mandelentzündung, Fieber, Kolikartige Bauchschmerzen, Symptome einer Blindarmentzündung, Dünn- und Dickdarm- entzündung, Entzündung der Bauchlymphknoten.

Diagnose:                                                                             Abtasten des Bauches (aller Tiere im Bestand und auch neu erworbener Tiere) ist für die Früherkennung der Erkrankung sehr wichtig, allerdings reicht dies zur Diagnosestellung allein noch nicht aus, u. a. deshalb nicht, weil Lymphknotenvergrößerungen zwar oft aber nicht in jedem Fall existent sind.

S. Jung erwähnt zu Diagnosezwecken die Möglichkeit der Herstellung eines Antigens aus dem stalleigenen Erreger. Nach intrakutaner Beimpfung der Tiere mit diesem Antigen, zeigt sich ein positives Testergebnis (nach ca. 2 Tagen) anhand einer Rötung und Schwellung im Bereich der Einstichstelle. Der Nachweis kann auch histologisch oder per Serodiagnostik erstellt werden.

Behandlung:                                                      Die Ansteckungsgefahr innerhalb einer Meerschweinchen- Gruppe ist natürlich am höchsten, sodaß hier das heraus selektieren verdächtiger Tiere sicherlich schon zu spät kommen dürfte, zumal auch die noch gesund erscheinenden Tiere längst infiziert sein könnten. Sobald auch unklar ist ob die Infektion durch ein neu hinzugekauftes Tier oder übers Futter/ Trinkwasser/ Wildnager im Stall verbreitet wurde, wird eine Entscheidung darüber fast unmöglich werden, welche Tiere man noch leben lassen könnte und welche man besser einschläfern lassen sollte. Allein schon aufgrund der Tatsache, das es sich bei der Pseudotuberkulose um eine Zoonose (die Ansteckungsgefahr für den Menschen wird zwar nur als gering eingestuft, genauso wie die Schwere der Erkrankung beim Menschen, ist aber insbesondere bei sehr engem Kontakt zum Tier, den ja besonders Kinder gern hegen, dennoch gegeben) handelt, empfehlen Tiermediziner sicherheitshalber die Euthanasie des gesamten Tierbestandes, um eine Weiterverbreitung des Erregers zu vermeiden.

Der Erreger soll zwar gegen einige Antibiotika, wie z.B. Tetracycline oder Chloramphenicol empfindlich sein, jedoch bleiben Therapieversuche meist erfolglos.

Ist die Infektion in einem Bestand ausgebrochen, dürfen daraus natürlich keine Tiere mehr an andere Besitzer abgegeben werden.  

Vor einer Neubesetzung der Ställe mit gesunden Tieren, müssen Käfige, Reinigungsgeräte und Einrichtungsgegenstände peinlichst genau gereinigt und desinfiziert werden.

Als Vorbeugungsmaßnahme Wildtiere (Mäuse, Ratten, Vögel etc.) aus den Stallungen / Gehegen fernhalten und ggf. beseitigen. Kein Wasser aus Regentonnen anbieten, das durch vorbei fliegende Vögel durch deren Ausscheidungen verunreinigt worden sein könnte. 

Quellen:

  • Grundlagen für die Zucht und Haltung der wichtigsten Versuchstiere, Siegfried Jung, Gustav Fischer Verlag – Stuttgart, 1962
  • Lehrbuch der veterinärmedizinischen Bakteriologie, Hans- Joachim Selbitz, Gustav Fischer Verlag – Stuttgart, 1992
  • Infektionen und Infektionskrankheiten bei Laboratoriumstieren, N.-C. Juhr / H.-H. Hiller, Paul Parey- Verlag, 1973
  • Nachweis von Yersinia pseudotuberkulose in einem Meerschweinchenbestand, von A.Weber und J. Zamora, aus dem Institut für Klinische Mikrobiologie und Infektionshygiene der Universität Erlangen-Nürnberg/ Der praktische Tierarzt, Heft Nr. 5, Seite 408, 1981.
  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter, Berlin, New York, 1990

 

Pupillenveränderung, siehe Katarakt

 

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