Thema: Krankheiten - Buchstabe H

 

Haarausfall:

Ursachen:

  • Mechanischer Haarausfall, d.h. durch Zug (ziehen an Haaren, z.B. durch zu stramm sitzende Wickler, bei gewickelten Langhaartieren)
  • Stress bedingt, z.B. bei Überbelegung der Käfige mit Tieren, sehr schreckhafte Meerschweinchen werfen auch aus Angst mehr oder weniger viel Fell ab, wenn sie angefasst werden (extrem bei Wildmeerschweinchen).
  • Diffuser Haarausfall kann bei Weibchen kurz nach einer Geburt auftreten. In extremen Fällen, können sie sogar fast völlig kahl werden. Während der Tragzeit kommen die Haare zu einem Wachstumsstillstand und werden nach der Geburt durch eine neue Haargeneration verdrängt bzw. abgestoßen. Der Haarausfall entsteht durch hormonelle Einflüsse (erhöhte Östrogenkonzentration) und reguliert sich wieder von allein.
  • Östrogenproduzierende Eierstockzysten können symmetrische Kahlstellen im Flankenbereich verursachen. Manchmal ist der Haarausfall auch nur diffus vorhanden oder kann u. U. auch über die komplette Körperseite ausgedehnt sein. Es liegt eine hormonelle Dysfunktion vor, wobei die Haare ähnlich wie bei Trächtigkeit zum Wachstumsstillstand kommen, ausdünnen und letztlich ganz ausfallen.
  • Morbus Cushing (krankhafte Veränderungen der Nebennieren oder Hirnanhangdrüse) verursacht ähnlichen Haarausfall an Rücken u./o. Flanken wie bei Eierstockzysten.
  • Die Jungtiere im Säugealter können Fellverlust an Flanken oder kompletten Körperseiten zeigen, sobald entweder die Milchzusammensetzung nicht stimmt (krankes Muttertier) oder sie gar keine Muttermilch erhalten („Flaschenkinder“). Um ihnen fehlende Stoffe einigermaßen zu ersetzen, kann es helfen, ihnen tgl. Fremdkot gesunder Meerschweinchen einzugeben. Sobald diese Jungtiere beginnen, alles zu fressen, reguliert sich ihr Haarkleid wieder.
  • Jungtiere, die im Fellwechsel sind bzw. ihr Babyfell durch das bleibende Haarkleid austauschen. Besonders bei langhaarigen Jungtieren lassen sich manchmal drastische Übergangsphasen im Alter um 8- 10 Wochen beobachten, in denen gürtelförmig um die Körpermitte herum das Fell vorübergehend sehr kurz ist und dann allmählich wieder nachwächst.
  • Proteinmangel, siehe unter… Aminosäuren und Eiweißmangel
  • Allergie, siehe unter Buchstabe A
  • Ist die Haut ständiger Feuchtigkeit in Verbindung mit Schmutz ausgesetzt, kann sie sich entzünden und zu Fellverlust führen (Beispiele: ständig nasses Kinn durch speicheln; nasses, Breiverklebtes Kinn bei Handfütterung kranker Meerschweinchen; um die Augen herum bei Augenerkrankungen, die mit starker Sekretion einhergehen; Sitzen auf nasser, unsauberer Einstreu …).
  • Parasitenbefall (Haarlinge, Pelzmilben, Grabmilben)
  • Hautpilzerkrankung
  • Vitaminmangel
  • Mineralstoffmangel, siehe Seite Ernährung

 

Haarlinge, siehe auch Parasiten

Haarlinge sind Beißläuse und gehören zur Klasse der Insekten. Drei verschiedene Haarlingsarten (Gliricola porcelli,Gyropus ovalis, Trimenopon hispidium) kommen hauptsächlich bei Meerschweinchen vor. Glicirola ist von länglicher Form, während die anderen beiden Arten eher ovale, platte Leiber haben. Im Gegensatz zu den verschiedenen Milbenarten haben sie nur 3 Beinpaare und ihr Kopf ist stets größer als der Brustkorb. Die optisch recht gut sichtbaren Haarlinge sind sehr bewegungsfreudig, die länglichen winden sich wie kleine Würmchen, sie krabbeln auf dem gesamten Körper der Meerschweinchen herum und sind selbst im Gesicht zu finden.

Haarlinge sitzen nahe der Haut und an den Haaren, an denen sie auch ihre Eier (Nissen) anheften und ernähren sich von den Hautschuppen. Ihr gesamter Lebenszyklus dauert etwa bei 3- 4 Wochen.

Ein Haarlingsbefall führt bei Meerschweinchen zu Symptomen wie Unruhe, Juckreiz, Fellbeißen, abbrechen der Haare, Haarausfall (auch um die Augen herum), trockene aufgeraute Haut oder auch Hautentzündung, raues Haarkleid, Konditionsverlust.

Übertragen werden Haarlinge durch direkten oder indirekten (gemeinsam benutzte Pflegeutensilien wie Bürsten, Kehrgeräte...) Kontakt zu befallenen Artgenossen.

Behandlung:                                                     Mit handelsüblichen Antiparasitenpudern (Zoogeschäfte, Tierarzt, Apotheke) oder Sprays sind diese Plagegeister recht gut zu bekämpfen. Medizinische Badelösungen gibt es auch, ist aber m.E. nicht unbedingt erforderlich.     Mindestens 3 Behandlungen in 1 wöchigen Abständen sollten durchgeführt werden, um auch die Nachbrut sicher zu erwischen. Zum Schutz vor Rückfällen sollte auch auch die Umgebung der Tiere (Käfig, Häuser) mitbehandelt werden, entweder durch heißes auswaschen von Käfig und Gegenständen oder auch durch einsprühen z.B. mit Bactazol- Spray (Apotheke bestellen).

 

Harnsteine, siehe Blasensteine

Harnuntersuchung, siehe Urinuntersuchung

 

Hautentzündung

Hautentzündungen können mit Hautrötungen, Schuppen, Fellverlust, Berührungsempfindlichkeit, Pustelbildungen oder Juckreiz einhergehen.

Mögliche Ursachen:

  • kleine oder größere Hautverletzungen mit Sekundärinfektion durch Bakterien (oft Strepto- oder Staphylokokken) oder Hautpilze
  • Parasitenbefall (Grabmilben, Pelzmilben, Haarlinge bei Extrembefall, Demodexmilbe, Zecken)
  • Kontaktallergien
  • ständiger Hautkontakt mit Nässe, Schmutz oder Ausscheidungen
  • Mangel an: ungesättigten Fettsäuren, Vitaminmangel (B2 + B6, Pantothensäure, Niacin, Biotin, Folsäure), Eiweißmangel, bestimmten Spurenelementen (Kupfer, Zink)

Wie aus obig genannten Ursachen hervorgeht, ist es durchaus möglich, dass mehrere Krankheiten der Haut gleichzeitig bestehen können. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich z.B. durch Parasiten entstandene Kratzwunden oder andere Verletzungen infiziert haben. Eine rein optische Diagnose, anhand der bestehenden Symptome, ist dann für einen Laien meist nicht mehr zu stellen.                                       Da Hauterkrankungen aber individuell nach ihren Grundursachen behandelt werden müssen, sollte man diese unbedingt von einem Tierarzt abklären lassen!

Ist die Haut nur leicht irritiert, schuppig und frei von jeglichen Kratzspuren oder Wunden, kann man zunächst versuchen, die Symptome durch Bäder mit medizinischen Shampoos (z.B. mit Hexocil, wirkt desinfizierend gg. bakterielle Hauterkrankungen, Hautpilzerkrankungen, Ekzemen und Seborrhoe) zum abklingen zu bringen. Meist sind mehrere Bäder in gewissen Abständen bis zur Ausheilung erforderlich. Bei Parasitenbefall sind andere Maßnahmen zu treffen, die unter den entsprechenden Stichwörtern separat behandelt werden.

Mit besagtem Shampoo kann man auch nur Teilwaschungen der Steißregion bei Meerschweinchen (überwiegend Böcke betroffen) vornehmen, die unter einer Überproduktion ihrer Fettdrüse (stark fettiges Fell an der Steißregion) leiden.

Bei Entzündungen der Haut, die durch Feuchtigkeit hervorgerufen wurden, sind die auslösenden Ursachen abzustellen (stets Haltung auf trockener, sauberer Einstreu), dann muss die Haut gereinigt bzw. von allen Schmutzpartikeln befreit werden.

Kann in verschiedenen Fällen eine permanente Kontamination der Haut mit Feuchtigkeit nicht vermieden werden, z.B. weil das Tier speichelt oder mit Brei gefüttert (führt zu Fellverlust im Kinn-/ Halsbereich) werden muss, so sollte man während dieser Zeit die Haut vor Feuchtigkeit schützen / abdecken.  Ich persönlich habe diesbezüglich gute Erfahrungen mit Multilind-Paste (Wirkstoffe: Nystatin auf Zinkbasis, normal gegen Windeldermatitis bei Säuglingen) gemacht, könnte aber genauso gut eine andere Heilsalbe auf Zinkbasis sein, nur darf sich die Paste nicht zu schwer wieder entfernen lassen, da jegliches reiben auf der wunden Haut recht schmerzhaft ist. Für größere Flächen ist die Anwendung von Pasten ungeeignet, zumal sich Meerschweinchen mit verklebtem Fell äußerst unwohl fühlen.

 

Hautverletzung, siehe Wunden

Hefepilzerkrankung, siehe Mykosen

 

Hitzschlag                                                                                                           Meerschweinchen reagieren extrem empfindlich auf größere Hitzeeinwirkung bzw. auf das Aussetzen direkter Sonne in heißen Sommermonaten und reagieren dann schnell mit einem Hitzschlag. Auch Autofahrten im aufgeheizten Auto halten sie nicht lange durch. Sie benötigen deshalb bei Gartenauslauf immer kühle und schattige Rückzugsmöglichkeiten.

Muss ein Tier im heißen Sommer im Auto transportiert werden, z.B. wegen eines dringenden Tierarztbesuches, kann man es in einer mit Handtuch ausgekleideten Kiste transportieren, unter die man Kühlelemente oder große eisgekühlte Gel- Kissen (Kalt- Warmkom- pressen aus der Apotheke) legt und zusätzlich die Kiste mit feuchten Handtüchern abdeckt.

Symptome des Hitzschlags sind Apathie bis zur völligen Regungslosigkeit, nasses Kinn und feuchter Bauch. Kreislaufversagen droht! Als Erstmaßnahme, das Tier umgehend abkühlen, durch auflegen nasser Handtücher. Für den Kreislauf kann man 1 Trpf. Effortil geben oder alle 10 Min. 1 Trpf. Rescue (Notfalltropfen der Bachblüten), des Weiteren muss man mit dem Tier schnellstens zum Tierarzt, da dieser Zustand lebensbedrohlich ist und sofort einer fachkundigen Behandlung bedarf!

 

Hörvermögen

Meerschweinchen haben ein ausgesprochen gutes Gehör. Ihre Schnecke im Innenohr weist mehr Windungen als jene der Menschen auf. Die Anzahl der Schallwellen pro Sekunde werden als Frequenzen bezeichnet und in Hertz ( 1 HZ = 1 Schwingung pro Sekunde) gemessen. Tiefe Töne haben eine niedrigere Frequenz als hohe Töne. Die obere Hörgrenze des Menschen endet bereits bei 20000 Hz, während Meerschweinchen noch Schallwellen bis 33000 Hz wahrnehmen können.Diese Tatsache bedeutet auch, das die Schmerzschwelle bei Meerschweinchen schneller erreicht ist als bei uns Menschen und sie deshalb keinem Krach oder Lärm ausgesetzt werden sollten.

Quelle:

  • Meerschweinchen - Alles Wissenswerte über Haltung, Pflege und Zucht, Dr. Günter Schmidt, Albrecht Philler Verlag. 
  • Anatomie und Physiologie, Joseph Bücker, Georg Thieme Verlag Stuttgart

 

Hornhautverletzung, siehe Augenverletzung

 

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