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Sie gelten bei den MS untereinander als eine Art Kommunikationsmittel, um sich bei den Käfiggenossen den nötigen Respekt zu verschaffen oder die Rangordnung untereinander festzulegen. In einem harmonischen Rudel sind harmlose Beißereien an der Tagesordnung, z.B. wenn ein MS dem anderen zu nahe rückt, wenn Gedränge am Futternapf herrscht oder wenn es darum geht ein Schlafhaus für sich zu erobern, usw. Allerdings handelt es sich in beschriebenen Fällen mehr um ein „boxen“ als ein wirkliches zubeißen, da der Kiefer geöffnet bleibt und somit keine gewollten Verletzungen zugefügt werden. Heftigere Auseinandersetzungen sind nur dann zu erwarten, wenn ein fremder Artgenosse in ein Rudel integriert werden soll, denn sofort beginnen alle, die bestehende Rangordnung neu festzulegen. Die in Rage geratenen Tiere machen dann auch keinen Unterschied mehr zwischen bekanntem oder unbekanntem Käfiggenossen, weil sich die gesamte Rang- Reihenfolge durch ein zusätzliches Tier ändert bzw. dann neu festgelegt werden muss. Es kann bis zu 1 Woche dauern, bis wieder Harmonie in das Rudel eingekehrt ist. Videofilm: Boxen life (849 kb) Werden 2 geschlechtsreife Böcke miteinander konfrontiert, können die Beißereien blutig enden. Die Tiere springen aneinander hoch, treffen sich in der Luft mit ihren Schneidezähnen, verbeißen sich ineinander, schlagen Saltos am Boden. In solchen Fällen niemals mit bloßen Händen dazwischen gehen, um die Böcke trennen zu wollen, die Tiere können in ihrer Rage nicht zwischen Tier und Mensch unterscheiden und beißen blind zu! Nehmen sie eine Zeitung oder ähnliches als Schutzbarriere zur Hand, um die Tiere auseinander zubringen. Danach können Sie eines der Tiere aus der Gefahrenzone herausnehmen. Sollten sich MS durch ständig wiederkehrende Beißereien verletzen, hilft nur dieTrennung. Böcke lassen sich dennoch miteinander vergesellschaften, wenn bestimmte Regeln beachtet werden ( siehe Seite „Haltung“ unter Böckehaltung ). Manche Weibchen, die neu in ein Rudel integriert werden sollen und sich recht dominant und aggressiv gegen alle anderen aufführen, sollte man zunächst nicht in dieser Gruppe lassen. Man kann jedoch zu späteren Zeitpunkten die Vergesellschaftung immer wieder erneut versuchen, manchmal klappt es dann doch noch. Am ehesten legen solch dominante Weibchen ihr aggressives Verhalten ab, wenn sie mit einem noch dominanteren Weibchen vergesellschaftet werden, dies muss man ausprobieren.
Beißhemmung, siehe auch Beißereien Alle MS haben i.d.R. dem Menschen gegenüber eine angeborene Beißhemmung, daher sind MS auch als Spieltiere für Kinder so beliebt. Allerdings kann "Angstbeißen" vorkommen, z.B. durch falsche Behandlung oder Verhaltensstörungen anderer Ursache. Manche MS gewöhnen sich auch das " kneifen" an, z.B. wenn sie gegen ihren Willen, an ihnen unliebsamen Stellen berührt werden oder einfach keine Lust haben gestreichelt zu werden. Wer aber sein MS gut kennt, hat schnell begriffen, welche Situationen zu vermeiden sind, in denen sich das Tier versucht zu wehren.
Männchen: Böcke sind jederzeit in Brunststimmung. Werden sie mit einem Weibchen zusammengesetzt, beginnen sie sofort mit der Kontaktaufnahme. Sie beschnuppern kopfnickend die Genitalregion des Weibchens, sowie deren Ausscheidungen. Am Geruch können sie erkennen, ob eine Sau empfangsbereit ist. Sie versuchen dem Weibchen zu imponieren, stellen ihr Nackenfell auf um an Größe zu gewinnen, umkreisen es mit langsam wiegenden Schritten und lang andauernden knetternden Lautäußerungen. Immer wieder schubsen sie dabei mit ihrem Hinterteil das des Weibchens von der Seite an und strömen einen baldrianÂähnlichen Geruch aus. Versucht das Weibchen zu fliehen, jagt er ihr eifrig nach, um zu versuchen, es zu besteigen. Imponiergehabe und Deckakt werden bei dauernd zusammen lebenden Paaren von Seiten des Bockes immer wieder mal versucht. So richtig zudringlich wird der Bock aber erst, wenn die Sau brünstig wird. Junge Böckchen üben Imponiergehabe und Deckakt bereits bei ihren Müttern, auch wenn ihre Geschlechtsreife noch nicht eingesetzt hat. Leben 2 Böcke zusammen in 1 Käfig, übernimmt der rangniedrigere Bock die Weibchenrolle, ahmt die jammervollen Laute der Sau nach und erduldet das bespringen des ranghöheren Männchens. Weibchen: Sie sind nur während der Brunst paarungsbereit. Bis dahin wehren sie Böcke ab, durch Harnspritzen, Flucht oder Boxhiebe und geben stets jammernde Lautäußerungen von sich. Empfangsbereite Weibchen verhalten sich manchmal wie Böcke, d.h. sie zeigen das gleiche Imponiergehabe und versuchen andere Käfiggenossen/-genossinnen zu besteigen. Ihr Fluchtverhalten nimmt in der paarungsbereiten Phase stark ab, sie bleiben dann hocken und lassen sich decken.
Mit „Chirpen“ oder auch „Zwitschern“ ist eine extrem seltene Lautäußerung der Haus- und Wildmeerschweinchen gemeint. Ich persönlich habe diesen Laut nach 17 Jahren Meerschweinchenhaltung das erste Mal auf einer Meerschweinchen-Show gehört, wo ein Tier von über 300 Meerschweinchen abends in der besucherleeren Ausstellungshalle plötzlich zu zwitschern begann. Erst Jahre später konnte ich gelegentlich auch mal meine eigenen Meerschweinchen zwitschern hören. Es klingt tatsächlich so als würde ein Vogel lang anhaltend zwitschern. Manchmal klingt das chirpen zu Beginn erst etwas heißer und steigert sich dann langsam in immer lauter werdende, kurz hintereinander ausgestoßene hohe Zwitscherlaute, wobei sich die Flanken heftig bewegen und der Mund leicht geöffnet ist. Dieses chirpen der Meerschweinchen kann sich manchmal von wenigen Minuten bis zu 45 Min. ununterbrochen hinziehen, allerdings immer nur solange, wie sie dabei nicht gestört werden. Das kleinste Geräusch kann sie umgehend zum schweigen bringen, von daher sollte man sich keinesfalls bewegen und kein Licht einschalten, falls sie -wie in den meisten Fällen- in der Nacht zwitschern sollten. Alle anwesenden Meerschweinchen im selben Raum erstarren augenblicklich in ihren Bewegungen, sobald eins unter ihnen zu zwitschern beginnt und sie bewegen sich oft erst dann wieder fort, nachdem das zwitschern aufgehört hat. Warum Meerschweinchen zwitschern ist nicht so genau geklärt, vermutet wird darin eine Art Konfliktlaut, z.B. wenn sie irgendeine Sinneswahrnehmung nicht richtig einordnen können oder wenn sie sich oder andere Käfiggenossen in einer gewissen Gefahr (Raubtiere) sehen und dadurch in Erregung geraten oder wenn Konflikte innerhalb einer Gruppe auftreten (besonders in Böcke- Gruppen), bei denen sich das unterlegene Tier in irgendeiner aussichtslosen Situation sieht, weil es z.B. keinen ausreichenden Fluchtraum hat. Beobachtern fiel auch noch auf, dass das Chirpen besonders häufig vorkommt, wenn brünstige Weibchen im Raum oder innerhalb einer Gruppe anwesend sind. Wildmeerschweinchen zwitschern nach unseren Erfahrungen wesentlich häufiger als Hausmeerschweinchen. 3 Fallbeispiele aus meinen Beobachtungen an Hausmeerschweinchen: 1.) Ein Sohn wird von seiner Mutter getrennt und zu dem Vater in den Nachbarkäfig gesellt. Der Vater treibt seinen Sohn durch den Stall, einige Action entsteht, die von der Mutter nebenan mitverfolgt und von ihr dann mit zwitschern beantwortet wird. 2) Ein Weibchen sollte in eine fremde Weibchengruppe integriert werden, wozu alle zunächst im Flur auf neutralem Boden zusammengesetzt wurden. Das neue Weibchen wusste nicht so recht was es tun sollte, saß hilflos und etwas ängstlich da und begann in dem Moment zu zwitschern als ein Weibchen aus der Gruppe etwas stürmisch auf sie losging. 3) Eine Freundin ging mit einem Weibchen auf dem Arm ins Treppenhaus um nach ihrer Mutter im 2. Stock rauf zu rufen, indem Moment begann ihr Weibchen zu zwitschern.
Bei Meerschweinchen in Gruppenhaltung lassen sich viele verschiedene Drohgebärden beobachten. Nachstehend einige Beispiele :
Meerschweinchen sind Fluchttiere, daher rennen sie vor allen möglichen Gefahren sofort weg und suchen Schutz (Schlafhaus) auf. Dieses Verhalten ist völlig normal, um sich in der Natur vor Feinden zu retten. Das Fluchtverhalten verliert sich nur ein klein wenig durch Zähmung als auch durch ausreichende Vertrautheit mit seinem Umfeld oder durch Geräusche die alltäglich sind.
Am besten schmeckt immer das, was gerade der andere hat! Der Futterneid wird eher in Form kleiner Machtspielchen untereinander ausgetragen, als das wirkliche Böswilligkeit dahinter steckt. Es macht einfach Spaß, der anderen Gurkenscheibe abspenstig zu machen und anschließend das Diebesgut umgehend in Sicherheit zu vertilgen. Auch ein Kräftemessen in Form von Tauziehen an einem Futterstängel kann man häufig beobachten. Dem Sieger gehört letztendlich die Beute, die er schnell in sich verschwinden lässt, während der Verlierer noch versucht, die letzten Stummel aus dem Siegermaul zu ergattern.
Was meint Ihr wer hier wohl das Opfer war? ´Ne dicke fette Möhre .... gesichtet im Stall eines englischen Züchters. Die Plätze um den Futternapf herum sind manchmal rar, da heißt es, sich schnell noch ein freies Plätzchen suchen und vorsichtig dazwischen zu schieben. Das muss möglichst ohne Drängelei geschehen, denn wildes anrempeln wird umgehend mit boxen oder austreten nach hinten bestraft, seitens derer, die sich bereits um den Napf platziert haben. Narrenfreiheit -entgegen aller gesellschaftlichen Regeln- genießen als einzigste im Rudel noch die Jungtiere, sie klettern frech über die älteren Tiere hinweg, um sich selbst mitten im Napf niederzulassen. Die älteren tragen es mit Fassung und schubsen die Kleinen vorsichtig im Napf umher, um ans Futter zu kommen.
„Gähnen“ bedeutet bei Meerschweinchen nicht ausschließlich oder automatisch ein Sauerstoffmangel im Gehirn, sondern ist manchmal auch eine Verhaltensweise (m.E. gähnt der Unterlegene), die während der Austragung von Machtkämpfen beobachtet werden kann. Die Bedeutung ist mir leider unbekannt.
Haarefressen ist eine Verhaltensstörung, die viele verschiedene Ursachen haben kann. Diese Unart kann sich bei ausgewachsenen Meerschweinchen als auch bei Jungtieren zeigen. Gelegentlich kommen in manchen Rudeln sogar mehrere Haarefresser vor, was u.a. vermuten lässt, dass sich insbesondere Jungtiere manchmal durch reines abgucken zur Nachahmung hinreißen lassen. Die betroffenen Meerschweinchen stellen ihren Käfiggenossen (auch artfremden Tieren) nach, kauen + knabbern deren Haare an oder zupfen ganze Strähnen aus, um sie komplett zu vertilgen. Seltener kommt das beknabbern der eigenen Körperbehaarung vor. Langhaartiere sind die beliebtesten Opfer von Haarefressern aber auch Kurzhaartiere bleiben nicht immer verschont. Folgende Ursachen werden diskutiert:
Maßnahmen die Abhilfe schaffen können:
Leider ist die Unart Haare zu fressen nicht immer heilbar, je länger sie schon besteht, umso aussichtsloser sind die Versuche dagegen anzukommen. Dennoch sollten alle erdenklichen Maßnahmen versucht werden, um den betroffenen Meerschweinchen zu helfen, zumal die Haarefresserei für sie nicht ungefährlich ist, da sich die gefressenen Haare im Verdauungstrakt zusammen ballen können mit möglichen Folgen wie Verstopfung, Darmverschluss und Tod.
Mit Imponiergehabe ist das Werbeverhalten der Böcke gemeint. Mit langsam wiegenden Schritten umkreisen sie die Weibchen und geben dabei langanhaltende knetternde Töne von sich. Auch Weibchen zeigen dieses Vehalten, wenn sie gerade brünstig sind.
Kotfressen ist bei Meerschweinchen keine Unart, sondern ein normales lebensnotwendiges Verhalten. Bestimmte Vitamine u.a. Stoffe können erst durch einen 2. Durchlauf durch den Verdauungstrakt wirksam bzw. verwertet werden. Daher dürfen Meerschweinchen nie vom Kotfressen abgehalten werden!
Der Nagetrieb ist ein natürliches Verhalten und dient dem Abrieb der ständig nachwachsenden Zähne.
Meerschweinchen brauchen nicht schwimmen zu lernen, diese Eigenschaft ist ihnen bereits angeboren.
Der Suchreflex ist ein angeborenener, frühkindlicher Bewegungsautomatismus, der sich nach einigen Wochen wieder verliert. Er dient dem auffinden der Zitzen zum säugen. Man kann diesen Reflex auslösen, wenn man das Schnäuzchen des Säuglings mit Daumen und Zeigefinger neben beiden Mundwinkeln berührt und gleichzeitig mit den Fingern auf der Haut leichte massierende Bewegungen ausführt. Das Baby stemmt sich dann mit allen Kräften mit seiner Schnauze gegen den Reiz. Zieht man die Finger ganz langsam vom Baby weg, folgt das Baby den Fingern solange, wie der Berührungsreiz fortgesetzt wird.
Zwitschern, siehe “chirpen”
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